Gleisdorf

Studienanleitung

In Christus ruhen

Juli | Aug | Sept 2021
Jeden Samstag, 9:00 Uhr

Der Flug war bis zu dem Moment ereignislos verlaufen, als der Kapitän aus dem Cockpit ankündigte, das Flugzeug müsse einen schweren Sturm durchqueren. „Bitte schnallen Sie sich an. Es wird ein ganz schöner Ritt werden“, sagte die Stimme aus dem Cockpit zum Schluss.
Bald darauf begann das Flugzeug heftig zu rütteln, während es sich durch den Sturm kämpfte. Die Gepäckfächer sprangen auf; die Passagiere saßen angespannt auf ihren Sitzen. Nach einem besonders heftigen Beben des Flugzeugs schrie jemand im hinteren Teil der Maschine. Manche sahen im Geiste schon einen Flügel abbrechen und das Flugzeug zur Erde trudeln. Alle Passagiere sahen angespannt und ängstlich aus. Alle, bis auf ein kleines Mädchen, das in der ersten Reihe der Economyclass saß. Sie war damit beschäftigt, auf dem offenen Klapptisch vor sich ein Bild zu malen. Hin und wieder schaute sie bei einem besonders eindrucksvollen Blitz aus dem kleinen Fenster, aber dann malte sie in aller Ruhe weiter.
Nach einer gefühlten halben Ewigkeit landete das Flugzeug schließlich am Zielort. Die Passagiere jubelten und klatschten, so dankbar und erleichtert waren sie, wieder am Boden zu sein. Das kleine Mädchen hatte ihre Tasche gepackt und wartete darauf, dass die Leute das Flugzeug verließen. Einer der Reisenden fragte das Mädchen, ob sie keine Angst gehabt hätte. Wie konnte sie bei einem derart starken Sturm und beim heftigen Rütteln des Flugzeugs so ruhig sein?
„Ich hatte keine Angst", antwortete das kleine Mädchen dem überraschten Mann. „Mein Vater ist der Pilot, und ich wusste, dass er mich nach Hause bringt.“
Unruhe und Angst gehen oft Hand in Hand. Das Leben in einer Welt, die die meisten Menschen rund um die Uhr beschäftigt hält, kann zu Unruhe und Angst führen. Wer kämpft nicht manchmal mit Angst, mit Sorge, mit der Furcht vor der Zukunft? Die Vergangenheit ist vorbei, die Gegenwart ist jetzt, aber die Zukunft ist voller Fragen, und in dieser instabilen Welt enthalten die Antworten vielleicht nicht das, was wir hören wollen. Wir fragen uns, ob wir die nächste Frist einhalten können, ob wir die nächste Miete oder die nächsten Schulgebühren aufbringen können, ob unsere problembeladene Ehe einen weiteren Sturm übersteht. Wir fragen uns, ob Gott uns weiterhin lieben kann, auch wenn wir ihn immer wieder „enttäuschen".

In diesem Quartal werden wir einige dieser Ängste frontal angehen. „In Christus ruhen" ist nicht nur ein Titel für ein Studienheft oder ein fesselndes Schlagwort für eine Evangelisationsreihe oder ein Campmeeting. Die Ruhe in Christus ist der Schlüssel zur Verheißung der Art von Leben, die Jesus seinen Nachfolgern verspricht: „Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge." (Joh. 10,10)
Während die Autoren an diesem Studienheft arbeiteten, wurde ihnen plötzlich die allgegenwärtige Bedeutung des Begriffs der Ruhe in der Textur der biblischen Theologie bewusst. Ruhe ist mit Erlösung, Gnade, Schöpfung, Sabbat, unserem Verständnis des Zustands der Toten, der baldigen Wiederkunft Jesu und noch viel mehr verbunden.

Als Jesus uns einlud, zu ihm zu kommen und in ihm Ruhe zu finden (Mt. 11,28), wandte er sich nicht nur an seine Jünger oder die frühe christliche Kirche. Er sah künftige Generationen von sündengeplagten, müden, ausgelaugten und problembeladenen Menschen, die Zugang zur Quelle der Ruhe brauchen. Wenn du die wöchentlichen Lektionen in diesem Quartal studierst, denk daran, zu Jesus zu kommen und in ihm auszuruhen. Schließlich hat unser himmlischer Vater die Kontrolle inne und ist bereit, uns sicher nach Hause zu bringen.

Chantal und Gerald Klingbeil leben gerne in ihrer kulturübergreifenden Ehe und arbeiten als Team. Chantal, stellvertretende Direktorin des Ellen G. White Estate, stammt aus Südafrika, während Gerald, stellvertretender Herausgeber von Adventist Review Ministries und Forschungsprofessor für Altes Testament und Altorientalistik an der Andrews University, in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

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